Wie allein bist du…?

Lesezeit: 7,5 Minuten | Bild von Irena Neumaier -privat- |

Kennst du das auch…? Heute ist der Tag, an dem du das Haus, die Wohnung mal für ein paar Stunden oder auch für länger, für dich ganz allein hast. Deine Frau, dein Mann, die Kinder haben angekündigt heute etwas vor zu haben und nicht da zu sein. Du freust dich drauf! Nicht, weil du sie oder ihn nicht lieben würdest. Nein, es geht um die Zeit, die man nur und ausschließlich für sich hat. Die Ruhe, die einen plötzlich umgibt, wenn alle aus dem Haus sind. Kein hin und her Gelaufe, keiner der ständig etwas von einem will, kein, tu dies tu das, kein Stress, keine Unruhe, keine Hektik, kein, es muss noch dieses oder jenes erledigt werden, kein, was machen wir am Wochenende, kein Gequake, kein, was essen wir denn heute, morgen, übermorgen, kein Geheule, Gestreite, Geschreie, muksch oder beleidigt sein, keine Tür wird zugeschlagen.

Einfach nur Entspannung. Ruhe.

Wer in einer Familie oder Partnerschaft lebt, wird das sicher auch schon mal so oder ähnlich erlebt haben.

Ein paar Stunden, nur für sich. Egal, was man dann macht. Ob man etwas liest, schreibt, Fern sieht oder Dinge erledigt, um die man sich schon eine ganze Weile kümmern wollte. Oder man nutzt die Zeit und liegt einfach mal „faul“ auf dem Sofa. JA, auch das ist eine Form, wie man seine Zeit nutzen kann! Nicht jede freie Zeit, die man hat, muss optimiert werden. Auch das süße Nichts-Tun bewirkt, dass das Gehirn die Möglichkeit hat, Gehirnareale wieder miteinander zu vernetzen, die die Kreativität fördern. Keine Ausrede! Tatsächlich wissenschaftlich erwiesen.

Ist das nicht schön! Wir freuen uns darauf und genießen die paar Stunden, die wir nur für uns haben. Herrlich!

Alleinsein auf Zeit, ist doch etwas Wunderbares.

Was aber, wenn sich das Alleinsein auf Zeit, durch unterschiedlichste Umstände, auf unbefristete Zeit verlängert? Aus Stunden werden Tage, Wochen, Monate und vielleicht auch Jahre?

Wie wunderbar ist dann noch die alltägliche Möglichkeit der Entspannung und Ruhe? Wie herrlich die Zeit, das Haus oder die Wohnung ganz für sich allein zu haben, wenn man weiß, dass außer einem selbst, niemand mehr nach Hause kommt? Niemand da ist, mit dem man die Erlebnisse und Ereignisse des Tages teilen kann. Niemand, mit dem man gemeinsam zu Abend ist. Niemand, der einem am Wochenende „auf die Nerven geht“. Niemand, der einfach nur da ist.

Da, wo man sich die Entspannung und Ruhe früher gewünscht hat, klafft plötzlich und oft auch für länger, eine große Lücke, die es zu füllen gilt.

Aus den unterschiedlichsten Gründen des Alleinseins kann Einsamkeit werden. Einsamkeit, mangels Freunde und Familie, Einsamkeit aufgrund des Allein-Lebens, Einsamkeit mangels Jobs, Einsamkeit in einer Beziehung, Einsamkeit aufgrund des Verlustes eines geliebten Menschen.

Hinzu kommt jetzt auch noch die aktuelle Corona-Situation mit der Distanz und erzwungenen Isolation. Nicht zwingend immer die komplette Isolation zu anderen Menschen, sondern die Isolation von Nähe zu anderen, eines Händedrucks, ein Streicheln, einer Umarmung, eines Kusses, des sich Abknutschens, wenn man sich begrüßt und freut sich zu sehen, der Schulterklopfer.

Hinzu kommen Feiertage, wie gerade Ostern, Geburtstage, Familienfeiern und Feste. Sie finden „quasi“ statt, jedoch ohne einander und auf Distanz.

Familie, Freunde, der Job, die Kollegen, der Verein, ein Hobby werden zu einer wichtigen Stütze, selbst für Menschen, die sehr gut mit sich allein sein, sich beschäftigen können und denen dieser Zustand des Alleinseins eher weniger ausmacht.

Um den Kontakt zu Familie und Freunden aufrechtzuerhalten wird geskyped, gefacetimed, gezoomed, telefoniert. Im Job jagt ein „Go-to-Meeting“ das nächste. Manchmal über Stunden. Es muss ja irgendwie weitergehen.

Aber kein Gespräch auf Distanz, kein Telefonat, kein Facetimen, kein Zoomen oder Skypen kann das reale Gefühl der gegenseitigen Freude, sich zu sehen, sich zu umarmen, ersetzen.

Und zwischendurch, in stillen Momenten, überkommt einen die Traurigkeit. Die eigene Ohnmacht, sein Leben in Teilen fremdbestimmt Leben zu müssen. Gezwungen auszuharren und zu warten. Gezwungen Distanz zu halten und zu warten. Gezwungen in die tägliche Monotonie des Tagesablaufs, um darauf zu warten, dass es vorbei geht.

Und zwischendurch, in stillen Momenten, erlebt man die Erkenntnis, dass viele materielle Dinge, die man früher als wichtig erachtete, plötzlich weniger oder gar unwichtig werden. Man erlebt die Erkenntnis, dass Dinge, die man als selbstverständlich genommen hat, plötzlich, für das eigene Wohlbefinden und Glück, viel wichtiger sind, als man gedacht hätte. Man erlebt, wie es ist, Dinge zu vermissen, von denen man nie geglaubt hätte sie je vermissen zu müssen. Und man erlebt die Erkenntnis, dass es andere Dinge sind, die dem Leben einen Sinn geben.

Familien, Freunde und auch Nachbarn rücken enger zusammen. Man beschützt und unterstützt sich. Man hilft sich und achtet aufeinander. Und stellt fest, dass auch, wenn man allein ist, nicht einsam sein muss. Man kann genauso für andere da sein und auch in seiner eigenen aktuellen Situation dem Leben einen Sinn geben.

Es gibt derzeit reichlich kostenlose Webinare, um sich beruflich weiterzubilden, viele Netzwerke, in denen man sich zu unterschiedlichen Themen austauschen oder einfach nur mit anderen treffen kann. Auch wenn Facetime, Skype etc. den persönlichen Kontakt nicht ersetzen…aber immerhin hat man Kontakt und wird sicher immer wieder feststellen, dass es den anderen mindestens genauso geht, wie einem selbst. Und genauso, wie man selbst, freuen sich andere ebenso, über einen virtuellen Kontakt. Man ist damit eben nicht allein.

Wer gerne kreativ ist kann sich auch bei Artnight anmelden, die ihr Angebot mittlerweile auch online anbieten und alles, was man braucht nach Hause schicken. In einer Gruppe kann man dann online gemeinsam und unter Anleitung unterschiedlichste Bilder auf Leinwand malen.

Andere Gruppen kochen abends gemeinsam oder tauschen sich über verschiedenste Themen aus, wie z.B. im WomensHub. Man kann sich Sport-oder auch Frühjahrsputz-Challenges anschließen. Oder nutzt u.a. auch die vielen Videos von Speakern z.B. bei GedankenTanken auf YouTube, zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung.

Also, viel Spaß, den man auch allein in dieser Zeit mit Gleichgesinnten haben kann und zudem vielleicht auch noch neue Leute kennenlernt. Geht raus, fahrt Fahrrad, geht Spazieren, legt euch in die Sonne, lest ein gutes Buch oder hört mal wieder ein Hörbuch.

Es ist zwischendurch ok auch mal traurig und unzufrieden mit der Gesamt-Situation zu sein. Das ist normal, erlaubt und durchaus verständlich, dass man auch mal einen „Hänger“ hat. Zumal wir alle so eine Situation das erste Mal erleben.

Wir haben heute mehr Möglichkeiten denn je mit der aktuellen Situation und der Sitution des Alleinseins klar zu kommen. Also bitte, kein Trübsal blasen. Und wenn es mal sein muss, dann bitte nur kurz. Lasst euren Gefühlen freien Lauf und dann geht es weiter. Denn jetzt haben wir die Möglichkeit, die viele freie Zeit zu nutzen, da sie einfach zur Verfügung steht. Nutzt sie für EUCH. Für all das, was ihr schon immer erledigen wolltet. Nutzt sie, um ggf. auch heraus zu finden, was IHR eigentlich schon IMMER WOLLTET. Oder macht euch eine Liste, wie meine Freundin: „Was ich nach Corona machen möchte“. Ganz oben auf ihrer Liste steht das Kino „Astor Film Lounge Hafen City“. Wer weiß, vielleicht findet unser erster Mädels Abend nach Corona dort statt oder auch beim Picknick an der Alster. Egal, was und wo. Hauptsache, wir haben uns.

In meinem Beitrag „…i-do it now…?“ findet ihr ggf. auch ein paar Ideen in meiner „i-doitnow-Liste“.

Mein letzter Mädels-Abend hat über Facetime stattgefunden. Jede mit einem Kaltgetränk in der Hand und los ging es. Unser nächster Online-Mädels-Abend ist schon geplant. Ja, wir sehen uns nicht persönlich und wir können uns nicht in den Arm nehmen. Und ja, wie gern würde ich sie alle und meine Lieben wieder Drücken wollen.

Umso mehr freue ich mich schon auf den nächsten Online-Mädels-Abend und darüber, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben uns zu sehen, miteinander zu quatschen und gemeinsam zu lachen. Auch, wenn unsere Leben und unser Alltag zur Zeit sehr eingeschränkt sind, zu erzählen gibt es (zumindest unter Mädels) immer was.

Es ist schon so viel geschafft. Und Corona oder auch die Situation des alltäglichen Alleinseins schaffe ich / schaffen wir auch noch. Es gibt noch ganz viel zu tun.

Legt los und seht es positiv! Wer weiß, wann wir wieder so viel Zeit für uns und für unsere Lieben haben werden.

In diesem Sinne, i-doitnow

Ein Kommentar

  1. sehr interessant 🧐 man muss nicht einsam sein. immer positiv denken und sagen, ich habe noch meine Familie und meine Freunde, die an mich denken und ich an sie. dann ist alles viel leichter 👍

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