Bewertest du auch…?

Lesezeit: 8 Minuten | Bild von Gerd Altmann auf Pixabay |

Jeder hat es schon mal getan. Jeder hat es selber schon mal erlebt. Wir bewerten oder werden bewertet.

Wir bewerten in Portalen. Wir liken, disliken, smilen, Daumen hoch, Daumen runter. Wischen links, Wischen rechts. Es wird so ziemlich alles bewertet. Alle Produkte, die es so gibt und die wir so kennen, Texte, Zeitungsartikel, Bücher, Blogs, Fotos. Und wir bewerten andere Menschen. Ob im Job die Kollegen und Kolleginnen, Menschen im Freundes-, Familien- oder Bekanntenkreis, Menschen in den sozialen Netzwerken, die wir im Grunde gar nicht kennen und die uns nicht kennen. Und häufig genug werden wir selber bewertet, beurteilt oder auch verurteilt.

Ist das nicht ein wahnsinniger Stress? Und wie häufig kratzt das auch am eigenen Ego?

Vor allem Frauen sehen sich häufig Bewertungen ausgesetzt.

Wie sehen sie aus? Sind sie attraktiv und sexy oder eher durchschnittlich und unscheinbar? Was für eine Figur haben sie? Dick, dünn, zu dick, zu dünn, lange oder kurze Beine, flachen oder runden Po, flachen oder dicken Bauch, lange oder kurze Haare, junge oder alte Haut. Wie machen sie ihren Job? Wie erziehen sie ihre Kinder? Bekommen sie alles unter einen Hut? Bleiben sie wegen der Kinder zu Hause oder gehen sie arbeiten? Sollten sie trotz der Kinder Vollzeit arbeiten sind sie ohnehin Rabenmütter. Übrigens ein Wort (Rabenmutter), dass es nur im deutschen gibt. Sollte einem vielleicht auch zu denken geben. Was für eine Beziehung oder Ehe führen sie? Oder sind sie gar Single, Alleinerziehend?? Sind sie nett, sympathisch, herzlich? Oder eher arrogant, distanziert und eingebildet? Und so könnte ich noch stundenlang weiter schreiben…bewertend, beurteilend und verurteilend.

Bekommt man da nicht ständig den Eindruck oder das Gefühl vermittelt es allen recht machen zu müssen? Noch mehr Stress. Noch weniger Selbstbewusstsein. Noch weniger Selbstwert. Ein noch verzerrteres Selbstbild. Ist man überhaupt noch für irgendjemanden und erst recht für sich selbst richtig?

Um es allen recht zu machen, fängt man an, an sich herum zu kritisieren. Man bildet sich ein, dass die anderen ja recht haben könnten. Das ein oder andere hat einem ja tatsächlich schon länger nicht an sich selbst gefallen… Plötzlich findet man einen oder gar mehrere Makel. Das Gewicht ist auch nicht mehr das richtige. Die Hüften, die Beine, die Arme, der Bauch. Nichts davon ist mehr gut genug. Das Gesicht schlägt Falten. Da muss doch was zu machen sein? Ist man eine gute Mutter, Hausfrau, Mitarbeiterin. Wird man allen Anforderungen gerecht?

Zieht man das richtige an? Hat man die richtige Frisur, das richtige Make-up? Sagt man das richtige? Fragt man das richtige? Hat man die richtige Meinung? Ist man politisch korrekt? Treibt man genug oder überhaupt Sport? Isst man das richtige? Fleisch oder nicht Fleisch? Reicht es noch Vegetarier zu sein oder doch lieber Veganer? Wie ist es mit Meditation oder Yoga? Kann doch nicht sein, dass man so gar nichts macht.

Bin ich…? Kann ich…? Muss ich…? Soll ich…?

STOOOOOOOOOP!!! Es reicht!

Wie bewusst ist es jedem, dass das krank macht? Dieses ewige bewerten, beurteilen und verurteilen?

Wie verletzend ist es, nicht so angenommen zu werden, wie man ist oder den anderen nicht so anzunehmen, wie er oder sie ist?

Wie anstrengend und stressig ist es, sich diesem beurteilen und verurteilen auszusetzen oder andere auszusetzen?

Dieses ewige gespiegelt bekommen, dass man „irgendwie“ nicht richtig sei? Man nicht gut genug sei, nicht genüge? Das Gefühl es niemandem und irgendwann auch sich selbst nicht oder nie recht machen zu können?

Die einen verfallen der Selbstoptimierung und verbringen unendlich viel Zeit ihres Lebens im Fitnessstudio, mit Diäten und Schönheitsoperationen. Die anderen resignieren. Denen ist irgendwann alles egal. Und wieder andere versuchen dem äußeren und eigenen Druck so lange wie möglich Stand zu halten.

Aber immer mehr Menschen gehen auch dazu über, diesen Wahnsinn nicht mehr an sich heran zu lassen. Sie sagen sich, entweder ich werde so akzeptiert, wie ich bin oder man lässt es halt sein. Ich bin, wie ich bin und wer mich so nicht akzeptieren kann, der muss auch nichts mit mir zu tun haben.

Diese Zufriedenheit mit sich und der Welt strahlen diese Menschen aus. Sie finden sich gut so, wie sie sind. Keine Zweifel, keine Selbstoptimierung, kein Druck oder Stress, es jedem recht machen zu wollen. Sie wirken selbstbewusst und selbstzufrieden. Mit sich und der Welt im reinen.

Und mal ehrlich. Warum sollte man es anderen recht machen? Nur um in deren Weltbild zu passen? Um so zu sein, wie es der allgemeine Mainstream vorlebt? Um die gleiche Meinung zu haben, wie alle anderen? Nur um so zu sein, wie alle anderen, um ja nicht anzuecken, weil man sich anders anzieht, anders aussieht, anders denkt und handelt als alle anderen? Aus Angst beurteilt, verurteilt und womöglich kritisiert zu werden? Was ist mit dem eigenen Weltbild? Da passt auch nicht jeder rein und trotzdem lässt man den anderen einfach so sein, wie er oder sie eben ist. Oder nicht?

Der beste Ratschlag, den man jemandem geben kann:

„Nimm keine Kritik von Leuten an, die du nicht um Rat fragen würdest.“  Und: „Glaube nicht alles, was dein Gehirn so denkt.“ Manches stellt sich schlimmer dar als es tatsächlich ist, weil wir denken, was und wie wir denken. Und häufig genug denken wir gleich in „Katastrophen“.

Vor allem, nicht alles zu glauben, was das eigene Gehirn so denkt finde ich sehr zutreffend. Letztendlich sind wir uns selbst der größte Kritiker. Völlig unerheblich, ob wir das von Natur aus schon immer waren oder von außen dazu gemacht wurden. Die eigene Kritik an sich selbst ist oftmals maßlos überzogen und übertrieben. Was letztendlich auch ein völlig verzerrtes Selbstbild produziert, mit dem wir uns selber immer weiter in die Sch… reiten und irgendwann mit uns selbst total unglücklich sind.

Was können wir tun?

„Nimm‘ keine Kritik von Leuten an, die du nicht um Rat fragen würdest.“

Damit sind wahrscheinlich schon mal über 90% der Menschen raus, die ohnehin nichts Besseres zu tun haben, als den ganzen Tag über andere Leute zu tratschen und zu lästern. Häufig genug sind das auch Menschen, die man noch nicht einmal kennt und die einen auch nicht kennen. Aber das macht es ja auch so schön einfach, an dem anderen kein gutes Haar zu lassen.

Vertraue auf dich selbst. Gibt es wirklich etwas, das du ändern möchtest? Mach‘ es! Aber mach‘ es nur für dich und nur aus einem Grund:

Weil DU es wirklich willst.

Nur das macht dich zufrieden und glücklich.

Hör nicht auf die ewigen Zweifler und lass dich nicht verunsichern. Hör auf dich und dein eigenes Gefühl. Wenn es DIR, bei dem, was du tust und wie du bist gut geht, kannst du darauf vertrauen, dass es richtig ist. Geht es dir nicht gut, dann überlege, ob du es warst, der oder die das so wollte. Wenn nicht, ändere es!

Du musst auf niemanden hören. Du bist erwachsen! Du darfst tun, was auch immer du willst.

Die Welt ums uns herum mit ihren Beurteilungen, Bewertungen und Verurteilungen wird sich nicht ändern. Wir werden dem auch weiterhin tagtäglich ausgesetzt sein. Aber wir können lernen damit umzugehen und uns trotzdem die Freiheit nehmen, so zu sein, wie wir sind. Das zu sagen, was wir wollen. So zu leben, wie wir wollen. Wir können unsere Einstellung zu uns selbst und unserer Umwelt ändern. Und wir müssen aufhören zu denken, dass wir von allen geliebt und gemocht werden müssen. Womöglich auch noch genau von denjenigen, die uns ohnehin ständig kritisieren und etwas an uns auszusetzen haben. Das müssen wir nicht. Wir mögen ja auch nicht jeden. Und damit lebt es sich auch sehr gut.

Insbesondere mit negativer Kritik tun wir uns schwer. Häufig empfinden wir sie als verletzend, weil wir sie persönlich nehmen. Und häufig genug fällt es uns einfacher Negativem, das über uns gesagt wird, mehr glauben zu schenken als Positivem. Schlimm, oder? Ein Ergebnis des ständigen beurteilt, bewertet und ggf. auch verurteilt werden.

Ok. Jetzt wissen wir vielleicht, wo wir gerade stehen. Vielleicht wissen wir auch, dass wir etwas ändern wollen oder auch ändern müssen, damit es uns wieder gut geht. Und dann stehen wir da, wie in Schockstarre und bekommen uns keinen Zentimeter bewegt. Angst.

Wieder Angst davor, was wohl andere sagen oder über uns denken könnten. Der Kreislauf geht von vorne los.

Es gibt aber nur eine Möglichkeit aus diesem Kreislauf heraus zu kommen, um sich wieder gut, selbstbewusst und selbstzufrieden, mit sich und der Welt im reinen zu fühlen.

Wenn wir etwas ändern wollen, dann geht es nur, indem wir durch die Angst hindurch gehen. Es gibt kein drumherum laufen. Wir müssen immer durch die Angst hindurch. Erst dann entsteht Veränderung.

Also, geht los!

In diesem Sinne, i-doitnow

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..